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Arbeitsrecht

Aktuelle Urteile und Regeln im Arbeitsrecht – verständlich erklärt und direkt anwendbar.

Geändertes Nachweisgesetz: Was müssen Arbeitgeber beachten?
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Geändertes Nachweisgesetz: Was müssen Arbeitgeber beachten?

Das deutsche Nachweisgesetz (NachweisG) verpflichtet Arbeitgeber, die Bedingungen eines Arbeitsvertrags aufzuzeichnen und dem Beschäftigten die Niederschrift auszuhändigen. Zum 1. August 2022 wurde das NachweisG novelliert und um wesentliche Punkte ergänzt. Im Frühjahr 2024 hat der Gesetzgeber nochmals Hand angelegt und sich von allzu strengen Formvorgaben verabschiedet. Die wichtigsten Fragen zum Nachweisgesetz beantworten die Fachanwälte Dr. Volker Vogt und Iven Fischer in diesem Gastbeitrag.

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Es war das Thema für viele Arbeitgeber im Sommer 2022 – und es bleibt ein ständiger Begleiter in der arbeitsrechtlichen Beratung: das „neue“ Nachweisgesetz. Nachdem die Gesetzesnovelle zum 1. August 2022 in Kraft getreten war, hat sie einiges durcheinandergewirbelt. Wir stellen hier die wesentlichen Änderungen vor und geben Handlungsempfehlungen für Arbeitgeber. Und wir haben auch Gutes zu berichten: Jedenfalls bei den Formvorgaben ist der Gesetzgeber auf dem Weg, sich von allzu strengen Vorgaben zu verabschieden.

Was regelt das Nachweisgesetz?

Das Nachweisgesetz dient dazu, Arbeitnehmer über die wesentlichen Inhalte des Arbeitsverhältnisses zu informieren. Der Hintergrund dieses Gesetzes ist die EU-Richtlinie über transparente und vorhersehbare Arbeitsbedingungen, besser bekannt als „Arbeitsbedingungen-Richtlinie“.

Ziel dieses europäischen Rechtsaktes ist es, Arbeitnehmer in der immer weiter flexibilisierten Arbeitswelt, die sich mit teilweise prekären Arbeitsverhältnissen zunehmend auf digitalen Plattformen abspielt (sogenannte Gig-Economy), zu stärken. Daher müssen Arbeitgeber ihre Beschäftigten beispielsweise über die Höhe des Arbeitsentgelts, die Pflicht zur Leistung von Überstunden und die Voraussetzungen von deren Anordnung informieren – und zwar bereits bei Abschluss des Arbeitsvertrags, spätestens jedoch, wenn der Arbeitnehmer nachfragt. Hierdurch soll die Transparenz für Arbeitnehmer erhöht werden.

Welche Änderungen im Nachweisgesetz greifen seit August 2022?

Zum 1. August 2022 wurde das Nachweisgesetz, das in anderer Form bereits seit Längerem besteht, erheblich erweitert:

  • Es gelten nun angepasste Informationspflichten des Arbeitgebers.
  • Eine weitere Neuerung sind erheblich verkürzte Fristen zur Vorlage einer Information über die im Gesetz genannten wesentlichen Aspekte des Arbeitsverhältnisses.
  • Auch muss der Arbeitgeber den Arbeitnehmer nun über Änderungen der wesentlichen Vertragsbedingungen schriftlich informieren. Diese Information muss dem Arbeitnehmer spätestens am Tag des Wirksamwerdens der Änderung vorliegen.
  • Zudem droht dem Arbeitgeber nun pro Verstoß gegen das Nachweisgesetz ein Bußgeld in Höhe von bis zu 2.000 Euro.

Über welche Arbeitsbedingungen muss ein Nachweis geführt werden?

Das Nachweisgesetz regelt umfassend, über welche „wesentlichen Vertragsinhalte“ der Arbeitgeber die Arbeitnehmer informieren muss. Hierzu zählen neben Name und Anschrift der Vertragsparteien jetzt auch neue Angaben, wie beispielsweise der Hinweis auf die Kündigungsmodalitäten oder die Art und Weise sowie Fälligkeit und Höhe der einzelnen Gehaltsbestandteile.

Um sich einen ersten Überblick zu verschaffen, empfiehlt sich für Arbeitgeber der Blick in § 2 Nachweisgesetz. Dort wird aufgeführt, welche Informationen zur Verfügung gestellt werden müssen.

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In welcher Form ist der Nachweis vom Arbeitgeber nunmehr zu führen?

Das Nachweisgesetz sah hier seit dem 1. August 2022 strenge Schriftform vor. Dies bedeutete, dass über sämtliche genannten wesentlichen Vertragsinhalte auf einem verkörperten Dokument, welches durch beide Vertragsparteien eigenhändig unterzeichnet wurde, informiert werden musste. Doch hier hat der Gesetzgeber im Frühjahr 2024 auf die berechtigte Kritik an dieser aus der Zeit gefallenen Vorgabe reagiert.

Künftig soll die elektronische Form genügen. Das bedeutet, es genügt eine dauerhaft speicherbare Dokumentation, in der die Person des Erklärenden genannt ist und die auf Wunsch des Mitarbeiters auch ausgedruckt werden können muss. Tinte und Papier braucht künftig also – zum Glück – keiner mehr.

An den zwei Arten der Durchführung (modi operandi), um den Anforderungen des Nachweisgesetzes zu genügen, ändert sich dadurch jedoch nicht viel:

  1. Das Nachweisgesetz lässt es zu, dass über die wesentlichen Vertragsbedingungen via Arbeitsvertrag informiert wird. Dies bietet sich insbesondere bei statischen Arbeitsverhältnissen an. In diesem Fall können die wesentlichen Vertragsbedingungen – von denen im Übrigen einige, wie etwa der Urlaubsanspruch oder die Vergütungshöhe ohnehin arbeitsvertraglich geregelt sein werden – ebenfalls in den Arbeitsvertrag aufgenommen werden. Die gesetzliche Neuerung sorgt nun dafür, dass auch eine schlichte elektronische Vereinbarung – etwa via E-Mail – genügt, um die Vorgaben zu erfüllen.
  2. Für Arbeitsverhältnisses hingegen, die sich häufig ändern oder bei denen sich die Konditionen im Wandel befinden, kann es sich anbieten, die Arbeitsbedingungen in einem gesonderten Informationsblatt aufzunehmen. Hierbei wird künftig die elektronische Form genügen.  Auch haben zahlreiche Arbeitgeber ihre Personalabteilung inzwischen digitalisiert, weshalb Arbeitsverträge inzwischen häufig nur noch elektronisch vorgehalten werden. In diesem Fall könnte dann etwa ein PDF zur Verfügung gestellt werden.

Welche Fristen muss der Arbeitgeber einhalten?

Hier sieht das Nachweisgesetz ein dreistufiges Modell vor:

  • Arbeitnehmer, deren Arbeitsverhältnis nach dem 1. August 2022 aufgenommen wurde, haben hinsichtlich einiger Vertragsinhalte zum Zeitpunkt des Vertragsschlusses, spätestens am Tag der ersten Arbeitsleistung ein Anrecht auf Information über die wesentlichen Vertragsinhalte. Für andere Angaben hat der Arbeitgeber grundsätzlich sieben Kalendertage Zeit.
  • Arbeitnehmer, deren Arbeitsverhältnis bereits vor dem 1. August 2022 bestand, haben hingegen Anspruch auf eine Bereitstellung der wesentlichen Vertragsinhalte nach dem Nachweisgesetz erst dann, wenn sie dies beim Arbeitgeber geltend machen. Hier hat der Arbeitgeber dann sieben Tage Zeit, die entsprechenden schriftlichen Informationen vorzulegen. Dazu wird künftig eine E-Mail ausreichen.
  • Über Änderungen der wesentlichen Vertragsbedingungen im laufenden Arbeitsverhältnis muss der Arbeitgeber spätestens im Zeitpunkt informieren, in dem diese Änderungen in Kraft treten.

Was droht dem Arbeitgeber bei Verstößen gegen das Nachweisgesetz?

Verstöße gegen das Nachweisgesetz können ein Bußgeld von bis zu 2.000 Euro pro Verstoß auslösen. Hierbei ist jedoch einschränkend anzumerken, dass ein Bußgeld nur bei vorsätzlichen Verstößen greift. Dennoch sollten Arbeitgeber die neuen Vorgaben nicht auf die leichte Schulter nehmen. Denn neben der Tatsache, dass etwa im Rahmen einer Betriebsprüfung auch Verstöße gegen das Nachweisgesetz aufgedeckt werden können, stellt es auch einen Wettbewerbsnachteil im Kampf um qualifizierte Arbeitskräfte dar, wenn der Arbeitgeber die entsprechenden Informationen nicht vorhält – die Konkurrenz aber schon.

Fazit

Das Nachweisgesetz hat durch die Neuerungen im Sommer 2022 an Bedeutung gewonnen. Im Zuge der Beratung wird schnell deutlich, dass Arbeitsverträge teilweise arg in die Jahre gekommen sind. Oft können die dort geregelten Inhalte aufgrund von Gesetzes- oder Rechtsprechungsänderungen gar nicht mehr durchgesetzt werden. Insoweit empfiehlt es sich, die Pflichten aus dem Nachweisgesetz zum Anlass für eine generelle Überarbeitung der Musterarbeitsverträge zu nehmen.

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Urlaubsanspruch berechnen: Das müssen Sie wissen
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Urlaubsanspruch berechnen: Das müssen Sie wissen

Urlaubs-Anspruch richtig berechnen will gelernt sein: Worauf musst Du als Arbeitgeber beim gesetzlichen Anspruch auf Urlaub unbedingt achten – und wo finden die häufigsten Stolperfallen beim Urlaubs-Anspruch?

5 Min. Lesezeit

Der Urlaubs-Anspruch der Arbeitnehmer ist gesetzlich geregelt. Doch welchen Anspruch auf Urlaub müssen Ihre Arbeitnehmer laut Vertrag haben? Gibt es gesetzliche Unterschiede zwischen Arbeitern, Angestellten und Auszubildenden? Wie lassen sich unterschiedliche Urlaubs-Ansprüche von Ihnen als Arbeitgeber berechnen? Alles zum Thema Urlaub, Gesetz und Urlaubs-Anspruch erfährst Du in diesem Artikel.

Urlaubsanspruch: Definition

Der Urlaubsanspruch von Arbeitnehmern kann laut Gesetz definiert werden als das Recht auf eine bezahlte Freistellung von der Arbeit. Diese dient der Erholung und dem Erhalt der Leistungsfähigkeit der Arbeitnehmer. Dies soll u.a.vorbeugen, dass Mitarbeiter sich häufig krank melden oder "krank" machen. Die Dauer des Urlaubsanspruchs ist gesetzlich festgelegt und das Urlaubs-Gesetz von Land zu Land unterschiedlich.

  • In Deutschland beträgt der gesetzliche Anspruch auf Urlaub pro Jahr 24 Werktage (ausgehend von 6 Werktagen pro Woche). Realiter erhalten viele Arbeitnehmer in der Regel laut Vertrag allerdings bis zu 30 Urlaubstage innerhalb eines Jahres, was bei einer Fünf-Tage-Woche sechs Wochen bezahltem Urlaub entspricht.
  • In der Schweiz haben Arbeitnehmer hingegen Anspruch auf mindestens vier Wochen bezahlten Urlaub innerhalb eines Jahres.
  • In Österreich haben Arbeitnehmer derweil innerhalb eines Jahres Anspruch auf 25 Tage bezahlten Urlaub bei einer Fünf-Tage-Woche und Anspruch auf 30 Werktage bei einer Sechs-Tage-Woche, so dass diese also auf insgesamt fünf Kalenderwochen Urlaub während eines Jahres kommen.

In allen Ländern gilt der gesetzliche Urlaubs-Anspruch für Festangestellte genauso wie der Anspruch auf Urlaub für Aushilfen, Saisonkräfte, geringfügig Beschäftigte oder Werkstudenten.

Wie wirkt sich ein Urlaubsanspruch auf die Mitarbeiterbindung aus?

Unternehmen sollten nicht unterschätzen, dass sie mit den Urlaubstagen, die sie ihren Mitarbeitern gewähren, ein erhebliches Motivationstool in den Händen halten. Jeder zusätzliche Urlaubstag, der über den gesetzlichen Mindestanspruch hinausgeht, beflügelt nachweislich die Mitarbeiterbindung. Das kann auch dazu beitragen, dass Mitarbeiter seltener krank sind und sich so seltener krank melden.

Ein Plus an Urlaub und Freizeit ist vielen Fachkräften einiges Wert, wie eine Online-Umfrage des Stellenmarktes meinestadt.de unter 9.252 Fachkräften ergeben hat. Fast ein Viertel der Teilnehmer gab an, dass sie für mehr Freizeit auch mehr Einsatz in der verbleibenden Arbeitszeit zeigen würden. Jeder Fünfte würde sogar auf anderweitige Benefits wie Dienstwagen oder Diensthandy verzichten. Genauso viele würden für mehr Urlaub auch weniger oder kürzere Pausen in Kauf nehmen.

Fast 20 Prozent der Arbeitnehmer verzichten lieber auf Dienstwagen oder Firmenhandy als auf Urlaubstage. - Suiteify

Wie kann ich für meine Mitarbeitenden den Urlaubsanspruch berechnen?

So beliebt Urlaub bei den Arbeitnehmern auch ist, so komplex wird es allerdings, wenn es um die Berechnung des Urlaubs von Mitarbeitern geht. Hier gibt es für Dich als Arbeitgeber so einige gesetzliche Urlaubs-Regeln zu beachten. Nehmen wir zum Beispiel den Urlaubsanspruch von Teilzeitarbeitnehmern laut Gesetz.

Auch, wenn Arbeitnehmer nicht voll arbeiten, haben sie den vollen Urlaubsanspruch. Kommen sie an allen Arbeitstagen zur Arbeit, ist es auch kein Problem, diesen Anspruch auf Urlaub zu berechnen. Für eine Woche Urlaub reicht der Arbeitnehmer bei einer Fünf-Tage-Woche einfach fünf Urlaubstage ein.

Komplexer wird es hingegen, wenn ein Arbeitnehmer nicht an allen Arbeitstagen in der Woche arbeitet. Bei 6 Werktagen pro Woche umfasst der gesetzliche Mindestanspruch 24 Urlaubstage pro Jahr - die meisten Arbeitnehmer haben bei einer Vollzeitbeschäftigung jedoch 5 Arbeitstage in der Woche, wodurch der gesetzliche Mindestanspruch 20 Urlaubstage im Jahr beträgt. Bei Teilzeitkräften fällt der Anspruch entsprechend geringer aus. Dann lässt sich der gesetzliche Anspruch auf Urlaub wie folgt berechnen:

4 Wochen Urlaub (Mindestanspruch) im Jahr x Arbeitstage pro Woche = Urlaubstage pro Kalenderjahr

Aus dieser Berechnung ergibt sich, dass Arbeitnehmer, die einmal pro Woche arbeiten, einen Urlaubs-Anspruch von vier Tagen innerhalb eines Jahres haben. Wer zwei Tage in der Woche arbeitet, dem stehen mindestens acht Urlaubs-Tage im Jahr laut Vertrag zu und wer an drei oder vier Tagen in der Woche arbeitet, hat einen Mindestanspruch auf Urlaub von 12 beziehungsweise 16 Tagen innerhalb eines Jahres.

Kleiner Tipp: Eine manuelle Urlaubsanspruchsberechnung ist mit einer Personalsoftware nicht notwendig. Das Tool ermittelt automatisch den individuellen Urlaubsanspruch jedes Arbeitnehmers – für Voll- und Teilzeitarbeitskräfte.

Anspruch auf Urlaub berechnen im Falle einer Kündigung

Laut Bundesurlaubsgesetz (BUrlG) ist es das Recht eines jeden Arbeitnehmers, bei einer 5-Tage-Woche einen Mindestanspruch in Höhe von 20 Arbeitstagen zu beanspruchen, die als bezahlter Urlaub verbracht werden können und sollen. Fehlzeiten durch Krankheit zählen hier natürlich nicht hinzu.

Das Bundesurlaubsgesetz (BUrlG) und der damit verbundene Mindesturlaub greift natürlich auch im Falle einer unterjährigen Kündigung. Aber was wird dann aus dem Jahresurlaub?

Für jeden vollen Monat der Beschäftigung besteht 1/12 des betrieblich vereinbarten Urlaubsanspruchs. Wird beispielsweise ein Arbeitsverhältnis seitens des Arbeitnehmers zum 30. April gekündigt und hat dieser einen Arbeitsvertrag mit 30 Tagen Urlaub im Jahr, so stehen ihm oder ihr 4/12 davon zu, also 10 Arbeitstage Urlaub. Mit jedem Monat, den Mitarbeiter im Unternehmen beschäftigt sind, erarbeiten sie sich in diesem Beispiel 2,5 Tage Urlaub.

Wenn sich das Arbeitsverhältnis ändert: Urlaubsanspruch bei unterjährigem Start oder Ende des Vertrags

Eine Besonderheit besteht bei unterjährigem Start vom Arbeitsvertrag oder unterjährigem Ausscheiden aus dem Unternehmen: Plant ein Mitarbeiter unterjährig die Beendigung seines Arbeitsverhältnisses, so greifen Arbeitgeber einfach auf die schon für den Urlaubsanspruch bekannte Berechnung zurück:

(Firmenzugehörigkeit im bestehenden Jahr in Monaten) x (monatlicher Urlaubsanspruch)

Fällt allerdings das Datum in die zweite Jahreshälfte, also verlässt ein Arbeitnehmer nach dem 01.07. den Betrieb und hat von seinem/ihrem Jahresurlaub in diesem Kalenderjahr noch keinen Urlaubstag genommen, so greift der volle Anspruch des Bundesurlaubgesetzes (BUrlG) und statt beispielsweise 7x2,5=17,5 Urlaub stehen die vollen im BUrlG vorgesehenen 20 Tage Urlaub zu. So wird der Mindesturlaub durchgesetzt.  

Diese Regelung gilt für Personen, die nicht in Teilzeit sind, sondern ein Arbeitsverhältnis in Vollzeit, also mit 5 Arbeitstagen pro Woche, wahrnehmen. In Bezug auf Teilzeit muss die Berechnung natürlich entsprechend anteilig ins Verhältnis gesetzt werden.

Auch eine Übertragung des nicht in Anspruch genommenen Jahresurlaubs auf einen anderen Betrieb ist möglich.

Rückstellungen durch Urlaub: Was ist zu beachten?

Zudem können alle Mitarbeitenden den jeweiligen Urlaubsanspruch anhand des Urlaubskontos jederzeit nachvollziehen und einsehen. Das kann von Vorteil sein, denn Mitarbeitende haben so stärker im Blick, ihren Urlaub auch wirklich aufzubrauchen. Und genau so sieht es das Gesetz eigentlich vor (§ 7 des Bundesurlaubsgesetzes (BurlG)) . Hier heißt es: „Der Urlaub muss im laufenden Kalenderjahr gewährt und genommen werden.”

Es kommt allerdings immer wieder vor, dass Angestellte ihren Urlaub innerhalb eines Jahres nicht gänzlich in Anspruch nehmen und sich diesen für das kommende Jahr aufheben. Damit entsteht für den Arbeitgeber ein sogenannter Erfüllungsrückstand.

Das Unternehmen muss also den restlichen Urlaub eines Jahres auf das Folgejahr buchen und in seiner Bilanz eine Rückstellung bilden. Hierzu steht im Bundesurlaubsgesetz: „Im Fall der Übertragung muss der Urlaub in den ersten drei Monaten des folgenden Kalenderjahres gewährt und genommen werden.” Danach verfällt der Anspruch den Urlaub noch einzulösen, wenn keine alternative Vereinbarung getroffen wurde.

Wie sieht der perfekte Urlaubsantrag aus?

Wer Urlaub beantragen will, muss dies schriftlich tun. Der Antrag eines Urlaubs wird von Arbeitgeber zu Arbeitgeber allerdings höchst unterschiedlich gehandhabt.

In manchen Betrieben gibt es eine Liste, in der die Mitarbeiter ihre gewünschten Urlaubstage eintragen können. In anderen Unternehmen schreiben Mitarbeiter einfach eine formlose Mail an die HR-Abteilung mit Daten rund um den Urlaub (z.B. Zeitraum, Vertretung) und in größeren Unternehmen müssen Mitarbeiter laut Vertrag meist schriftliche Anträge ausfüllen.

Laut Gesetz muss der Urlaubsantrag mindestens 14 Tage vor dem Antritt des Urlaubs eingereicht werden. Meist brauchen Unternehmen die folgenden Angaben zum Verbuchen des Urlaubs:

  • Personalnummer
  • Position
  • Anschrift
  • Anzahl der beantragten Urlaubstage
  • Zeitraum des Urlaubs
  • Name der Vertretung während des Urlaubs
  • Name des Vorgesetzten

Urlaubsanspruch berechnen leichtgemacht: Zeitmanagement Tools

HR und der Linienvorgesetzte erhalten automatisch eine Benachrichtigung, dass eine Genehmigung eines Urlaubs erforderlich ist. Diese ist mit einem Klick erteilt und der Arbeitnehmer erhält die Rückmeldung: Urlaub genehmigt. Durch eine Kalenderfunktion ist für den Arbeitgeber bzw. die Führungskraft direkt auf einen Blick ersichtlich, wo sich Urlaub überschneidet und wo es zu Arbeits-Engpässen kommen könnte.

Mit der richtigen Zeiterfassung Software kann selbst das komplexe Thema Urlaubsanspruch sekundenschnell gesetzlich richtig gemanagt werden.

Zu viel Pflegeversicherung gezahlt? Diese Regelungen zur Erstattung und Verzinsung müssen Arbeitgeber kennen
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Zu viel Pflegeversicherung gezahlt? Diese Regelungen zur Erstattung und Verzinsung müssen Arbeitgeber kennen

Das sogenannte Wachstumschancengesetz beinhaltet einige Neuerungen, die sich auf die Entgeltabrechnung auswirken. Dazu gehören auch auf den ersten Blick eher unscheinbare Regelungen zur Erstattung und Verzinsung von zu viel gezahlten Beiträgen zur gesetzlichen Pflegeversicherung. Ein aktuelles Rundschreiben des GKV-Spitzenverbands erläutert nun die Details dieser Regelungen.

5 Min. Lesezeit

Nach zähen Verhandlungen wurde das „Gesetz zur Stärkung von Wachstumschancen, Investitionen und Innovation sowie Steuervereinfachung und Steuerfairness“ oder kurz „Wachstumschancengesetz“ am 27. März 2024 im Bundesgesetzblatt verkündet. Es soll für Unternehmen steuerliche Anreize schaffen und auf diesem Wege die deutsche Wirtschaft ankurbeln – über die Auswirkungen auf HR und Entgeltabrechnung haben wir bereits berichtet. Der vorliegende Beitrag widmet sich nun einem speziellen Thema, das ebenfalls in diesem Gesetz behandelt wurde: der Erstattung und Verzinsung von zu viel gezahlten Pflegeversicherungsbeiträgen.

Brennpunkt Pflegeversicherung

Im vergangenen Jahr wurden die Beiträge zur gesetzlichen Pflegeversicherung (PV) neugestaltet, Arbeitnehmer mit berücksichtigungsfähigen Kindern erhalten seitdem nach Kinderanzahl gestaffelte Abschläge auf ihren Beitragsanteil. Diese komplexe Veränderung bedeutet einen erheblichen Mehraufwand bei der Beitragsberechnung und macht ein einheitliches (digitales) Nachweisverfahren mit Blick auf die einzubeziehenden Kinder notwendig. Die rechtlichen Grundlagen für ein solches Verfahren wurden nun im Wachstumschancengesetz geschaffen.

Erstattung und Verzinsung zu viel gezahlter PV-Beiträge

In diesem Zusammenhang wurde nun auch geregelt, wie die Erstattung und Verzinsung zu viel entrichteter Beiträge zur Pflegeversicherung zu erfolgen hat. In der Praxis kommt es nämlich immer wieder vor, dass die arbeitnehmerseitigen Beiträge zu hoch angesetzt sind, weil nicht alle berücksichtigungsfähigen Kinder der betroffenen Beschäftigten einbezogen wurden.

Der Spitzenverband der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV-Spitzenverband) hat inzwischen ein Rundschreiben veröffentlicht, in welchem wichtige Details zur praktischen Umsetzung der Erstattung und Verzinsung zu viel gezahlter Beiträge erläutert werden.

GKV-Rundschreiben schafft Klarheit bezüglich der Erstattung und Verzinsung von Pflegeversicherungsbeiträgen

Im Rundschreiben wurden die folgenden Punkte geklärt:

1. Digitales Nachweisverfahren und Übergangszeitraum

Das Pflegeunterstützungs- und -entlastungsgesetz von 2023 hat die Berechnung der Pflegeversicherungsbeiträge komplizierter gemacht, indem es die Mitarbeiteranteile gestaffelt hat, je nach Anzahl der Kinder. Ab dem 1. Juli 2025 wird ein neues digitales Nachweisverfahren die Berechnung für Arbeitgeber und Krankenkassen erheblich vereinfachen. Bis dahin gibt es einen Übergangszeitraum. Das bedeutet, dass bis zum 30. Juni 2025 alle Kinder der Mitarbeiter, die berücksichtigt werden sollen, in die Berechnung einbezogen sein müssen.

2. Wann müssen Erstattungen zu viel gezahlter PV-Beiträge verzinst werden?

Arbeitgeber können auf die Erstattung zu viel gezahlter Beiträge zur PV bis zum Start des neuen digitalen Nachweisverfahrens am 1. Juli 2025 warten. Wenn sie sich dafür entscheiden, müssen sie jedoch Zinsen auf die Rückerstattungen zahlen. Werden die Erstattungsansprüche von Beschäftigten hingegen im Übergangszeitraum bis zum 30. Juni 2025 befriedigt, sind in der Regel keine Zinsen zu zahlen.

3. Wie hoch müssen Beitragsrückerstattungen verzinst werden?

Die Faustregel ist einfach: Zu viel Beiträge zur Pflegeversicherung werden ab dem Monat nach der Zahlung bis zum Monat vor der Rückerstattung mit einem Zinssatz von vier Prozent pro Jahr verzinst. Eine separate Beantragung der Verzinsung ist nicht erforderlich.

4. Das digitale Nachweisverfahren

Ab dem 1. Juli 2025 wird ein einheitliches digitales Nachweisverfahren eingeführt, das vorhandene Daten, wie zum Beispiel Informationen der Finanzämter, nutzt. Dadurch soll sichergestellt werden, dass Arbeitgeber und Krankenkassen automatisch über Änderungen in Bezug auf die Elternschaft oder die Anzahl der berücksichtigungsfähigen Kinder informiert werden. Die genauen Schritte des Verfahrens und das zugehörige Meldewesen werden zurzeit ausgearbeitet.

Pflichten und Risiken bei Krankheit im Ausland
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Pflichten und Risiken bei Krankheit im Ausland

Gesetzlich krankenversicherte Beschäftigte müssen bei einer Arbeitsunfähigkeit im Ausland bestimmte Pflichten erfüllen, um ihre Ansprüche auf Entgeltfortzahlung zu wahren. Doch auch für die Arbeitgeberseite ist die Erkrankung von Mitarbeitern in anderen Ländern mit finanziellen Risiken verbunden.

5 Min. Lesezeit

Im Falle einer Krankheit im Ausland müssen Beschäftigte bestimmte Melde- und Nachweispflichten erfüllen, um Anspruch auf Entgeltfortzahlung zu haben. Die Einführung der elektronischen Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung (eAU) ändert nichts an dieser Verpflichtung.

Melde- und Nachweispflichten im Ausland

Bei einer Erkrankung müssen Beschäftigte ihren Arbeitgeber so schnell wie möglich über ihre Arbeitsunfähigkeit, die voraussichtliche Dauer und ihre Aufenthaltsadresse im Ausland informieren.

Bei Arbeitsunfähigkeit über drei Tage hinaus gilt auch bei einer Erkrankung im Ausland das Entgeltfortzahlungsgesetz und damit die Nachweispflicht durch eine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung. Diese gelangt je nach Fallgestaltung auf unterschiedliche Weise zum Arbeitgeber:

  • Grenzgänger in europäischen Nachbarstaaten senden die ärztliche Bescheinigung an ihren ausländischen Sozialversicherungsträger, der sie an die deutsche Krankenkasse weiterleitet.
  • Außerhalb Europas erkrankte Mitarbeiter müssen ihre Krankschreibung hingegen in Papierform an den Arbeitgeber schicken.
  • Bei Ländern ohne Sozialversicherungsabkommen muss zusätzlich die gesetzliche Krankenkasse über die Arbeitsunfähigkeit informiert werden. Die Rückkehr des erkrankten Mitarbeiters nach Deutschland muss unverzüglich dem Arbeitgeber und der Krankenkasse mitgeteilt werden.

Nachweis ärztlicher Bescheinigungen aus dem Ausland

Ärztliche Arbeitsunfähigkeitsbescheinigungen aus dem Ausland gelten grundsätzlich wie deutsche Bescheinigungen, müssen jedoch eine Unterscheidung zwischen „einfacher Erkrankung“ und „Erkrankung mit Arbeitsunfähigkeit nach Arbeits- und Sozialversicherungsrecht“ enthalten.

Um mögliche Konflikte zu vermeiden, sollten die Mitarbeiter auf diese besondere Nachweispflicht hingewiesen werden. Die Nichteinhaltung dieser Vorschrift kann nämlich laut Entgeltfortzahlungsgesetz dazu führen, dass der Arbeitgeber das Gehalt nicht zahlen muss. Allerdings darf die Entgeltfortzahlung nicht ohne Vorwarnung eingestellt werden.

Finanzielle Risiken für den Arbeitgeber

Schwere Erkrankungen von Beschäftigten während einer Entsendung im Ausland können für den Arbeitgeber ausgesprochen kostspielig werden. Das Sozialgesetzbuch (SGB V) besagt, dass gesetzlich krankenversicherte Mitarbeiter selbst dann im Sinne der Sozialversicherung als entsendet gelten, wenn sie nur einen einzigen Tag im Ausland für den Arbeitgeber tätig sind.

Gemäß Sozialgesetzbuch V (§ 17) muss der Arbeitgeber während der Beschäftigung im Ausland die medizinischen Leistungen für erkrankte Mitarbeiter und deren mitreisende Familienangehörige erbringen.

Konkret bedeutet dies, dass der Arbeitgeber für alle medizinischen Kosten im Ausland haftet – und in der Regel in Vorkasse treten muss. Die Beschäftigten können sämtliche verauslagten Beträge durch entsprechende Belege bei ihrem Arbeitgeber einreichen und deren Erstattung verlangen. Die folgende Kostenerstattung der zuständigen gesetzlichen Krankenkasse an den Arbeitgeber deckt allerdings meistens nicht alle Kosten ab – der Arbeitgeber zahlt im Ergebnis oftmals kräftig drauf.

Abhilfe durch Auslandskrankenversicherung

Diesem hohen finanziellen Risiko kann durch den Abschluss einer Auslandskrankenversicherung wirksam begegnet werden. Eine solche Versicherung kann jene teilweise erheblichen Kosten ersetzen, die von der gesetzlichen Krankenkasse nicht übernommen werden.

Fazit

Arbeitgeber und Beschäftigte sollten ihre jeweiligen Pflichten und Risiken im Zusammenhang mit einer arbeitnehmerseitigen Arbeitsunfähigkeit im Ausland kennen und geeignete Maßnahmen ergreifen, um mögliche Konflikte und finanzielle Belastungen zu minimieren.

Ausgleichsabgabe für Arbeitgeber steigt ab 2024 deutlich an
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Ausgleichsabgabe für Arbeitgeber steigt ab 2024 deutlich an

Ab 2024 müssen Unternehmen mit mehr als 20 Beschäftigten, die keinen einzigen Menschen mit schweren Beeinträchtigungen (gesetzlich: schwerbehinderte Menschen) einstellen, eine deutlich höhere Ausgleichsabgabe zahlen. Die Höhe der Abgabe richtet sich nach der Unternehmensgröße und der Zahl der nicht besetzten Pflichtarbeitsplätze. Ziel der Regelung ist es, die Beschäftigung schwerbehinderter Menschen stärker zu fördern und Arbeitgeber zur Erfüllung der gesetzlichen Beschäftigungsquote anzuhalten.

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Wer ist von der höheren Ausgleichsabgabe betroffen?

Die Ausgleichsabgabe müssen alle Unternehmen mit mehr als 20 Arbeitsplätzen zahlen, wenn sie die gesetzlich vorgeschriebene Beschäftigungsquote von schwerbehinderten Menschen nicht erfüllen. Sie dient als Ausgleich, um die Teilhabe schwerbehinderter Menschen am Arbeitsleben zu sichern.

Staffelung nach Unternehmensgröße

20 bis 39 Beschäftigte

Unternehmen in dieser Größenordnung müssen mindestens eine schwerbehinderte Person beschäftigen. Für jeden nicht besetzten Pflichtarbeitsplatz fällt ab 2024 eine Ausgleichsabgabe von 210 Euro pro Monat an.

40 bis 59 Beschäftigte

In Betrieben mit 40 bis 59 Arbeitsplätzen müssen mindestens zwei schwerbehinderte Menschen beschäftigt werden. Für jeden nicht besetzten Pflichtarbeitsplatz wird eine Ausgleichsabgabe von 410 Euro pro Monat fällig.

60 und mehr Beschäftigte

Ab 60 Beschäftigten gilt die allgemeine gesetzliche Quote: Mindestens 5 % der Arbeitsplätze müssen mit schwerbehinderten Personen besetzt sein. Für jeden nicht erfüllten Quotenplatz beträgt die Ausgleichsabgabe ab 2024 monatlich 720 Euro.

Ab wann ist die Abgabe zu zahlen?

Die erhöhte Ausgleichsabgabe wird erstmals im Jahr 2025 fällig. Sie bezieht sich dann auf die Pflichtverletzungen des Jahres 2024. Unternehmen sollten ihre Personalplanung daher rechtzeitig prüfen, um unnötige Zusatzkosten zu vermeiden.

Fazit

Die Anhebung der Ausgleichsabgabe stellt für viele Unternehmen eine zusätzliche finanzielle Belastung dar. Gleichzeitig verfolgt sie das klare Ziel, die Beschäftigung schwerbehinderter Menschen stärker zu fördern. Betriebe sollten daher frühzeitig prüfen, ob sie ihrer gesetzlichen Beschäftigungspflicht nachkommen, um zusätzliche Kosten zu vermeiden und einen aktiven Beitrag zur Inklusion im Arbeitsleben zu leisten.

Erweitertes Meldeverfahren zur Elternzeit: Neue Pflichten für Arbeitgeber
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Erweitertes Meldeverfahren zur Elternzeit: Neue Pflichten für Arbeitgeber

Ab dem 1. Januar 2024 müssen alle Arbeitgeber in Deutschland den gesetzlichen Krankenkassen erweiterte Angaben zu den Elternzeiten ihrer Beschäftigten machen und auf elektronischem Wege melden. Diese neuen sozialversicherungsrechtlichen Meldepflichten haben gute Gründe.

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Neues Jahr, neue Pflichten: Ab dem Jahreswechsel müssen Arbeitgeber den Krankenkassen sowohl den Beginn als auch das Ende von Elternzeiten ihrer Beschäftigten melden. Dieser Beitrag beantwortet die wichtigsten Fragen zum neuen Meldeverfahren zur Elternzeit.

Wer kann Elternzeit nehmen?

In erster Linie können Mütter und Väter Elternzeit erhalten, Großeltern sind dazu ebenfalls berechtigt. In bestimmten Fällen wird auch weitläufigeren Verwandten ein Recht auf Elternzeit eingeräumt. Die neuen Meldepflichten rund um die Elternzeit können folglich neben den Eltern auch weitere Beschäftigte betreffen, sofern diese gesetzlich krankenversichert sind.

Welche Meldepflichten gelten aktuell?

Geht eine Beschäftigte oder ein Beschäftigter in Elternzeit, meldet der Arbeitgeber der jeweiligen gesetzlichen Krankenkasse bisher nur den Beginn in Form einer Unterbrechungsmeldung. Über das Ende der Elternzeit und deren Dauer erfahren die Kassen in der Regel erst mit der ersten Entgeltmeldung nach Wiederaufnahme der Beschäftigung.

Welche Nachteile hat das bisherige Verfahren?

Mit Blick auf eine Elternzeit müssen die gesetzlichen Krankenkassen verschiedene Dinge prüfen, zum Beispiel das Fortbestehen der Mitgliedschaft oder die Höhe der Beiträge von freiwillig versicherten Beschäftigten in dieser Zeit. Um dies tun zu können, besorgen sich die Kassen derzeit proaktiv die notwendigen Angaben hinsichtlich der Dauer der Elternzeit bei den Arbeitgebern. Das kostet viel Zeit und verursacht hohen Aufwand.

Was muss künftig im Meldeverfahren zur Elternzeit gemeldet werden?

Mit Beginn des kommenden Jahres sind alle Arbeitgeber verpflichtet, neben der bisherigen Unterbrechungsmeldung den Beginn und das Ende jeder Elternzeit an die zuständige Krankenkasse zu melden. Diese Meldepflicht gilt nur für Elternzeiten, die ab dem 1. Januar 2024 beginnen. Sie gilt explizit nicht für Elternzeiten, die vorher begonnen haben und über den 1. Januar 2024 hinaus in Anspruch genommen werden.

Für wen gelten die neuen Meldepflichten?

Die neuen Meldepflichten gelten ausschließlich für gesetzlich krankenversicherte Beschäftigte, welche die Elternzeit in Anspruch nehmen. Für geringfügig Beschäftigte besteht keine Meldepflicht, ebenso wie für privat krankenversicherte Beschäftigte.

Wie sieht das neue Meldeverfahren zur Elternzeit konkret aus?

Es gibt zwei zusätzliche Meldungen für betroffene Beschäftigte, zum Beginn und zum Ende der Elternzeit:

  • Die Meldung zum Beginn der Elternzeit hat den Abgabegrund 17. Mit ihr wird das Datum des Beginns der jeweiligen Elternzeit mitgeteilt. Zum vereinbarten Ende der Elternzeit werden keine Angaben gemacht, da die Dauer der Elternzeit in der Personalpraxis später häufig verlängert oder auch verkürzt wird.
  • Die Meldung zum Ende der Elternzeit hat den Abgabegrund 37. Diese enthält sowohl das Datum des Beginns als auch des Endes der Elternzeit. Diese Meldung wird erst nach der tatsächlichen Beendigung der Elternzeit mit einer Frist von sechs Wochen erstellt.

Was ist bei Aufnahme einer Beschäftigung während der Elternzeit zu melden?

Wenn eine Beschäftigte oder ein Beschäftigter während der vereinbarten Elternzeit bei seinem bisherigen Arbeitgeber eine Beschäftigung aufnimmt, muss der Arbeitgeber eine Meldung zum Ende der Elternzeit mit Grund 37 erstellen. Wird diese Beschäftigung zugunsten der Fortsetzung der Elternzeit wieder aufgegeben, muss eine erneute Meldung zum Beginn der Elternzeit mit Grund 17 erfolgen. Diese Meldepflichten gelten nicht, wenn die vorübergehende Beschäftigung nur geringfügig war (Minijob).

Was gilt bei einem Krankenkassenwechsel während der Elternzeit?

Wechselt eine Mitarbeiterin oder ein Mitarbeiter während der Elternzeit seine gesetzliche Krankenkasse, so hat der Arbeitgeber für die neue Kasse eine Beginn-Meldung mit Grund 17 zu erstellen.

Was gilt bei einem Beschäftigungsende während der Elternzeit?

Endet die Beschäftigung während der Elternzeit, so muss der Arbeitgeber zum Austrittsdatum zusätzlich zur sozialversicherungsrechtlichen Abmeldung eine Ende-Meldung für die Elternzeit mit Grund 37 erstellen.

Neuer gestaffelter Mutterschutz bei Fehlgeburten ab Juni 2025: Das müssen Arbeitgeber wissen
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Neuer gestaffelter Mutterschutz bei Fehlgeburten ab Juni 2025: Das müssen Arbeitgeber wissen

Am 1. Juni 2025 ist in Deutschland eine wichtige Neuregelung in Kraft getreten, die den Mutterschutz nach einer Fehlgeburt deutlich verbessert. Das bedeutet für Arbeitgeber, dass sie sich auf neue Pflichten im Mutterschutz einstellen müssen, um betroffene Mitarbeiterinnen rechtlich korrekt und menschlich unterstützend zu begleiten.

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Was ändert sich beim Mutterschutz bei einer Fehlgeburt ab 2025?

Bisher galten Mutterschutzfristen nur bei einer Lebendgeburt sowie bei einer Totgeburt ab der 24. Schwangerschaftswoche. Seit dem 1. Juni 2025 greifen gestaffelte Mutterschutzregelungen bereits ab der 13. Woche. Dies ist ein bedeutender Schritt hin zu mehr Fürsorge und rechtlichem Schutz bei Schwangerschaftsverlust.

Die neuen Mutterschutzfristen im Überblick:

  • Ab der 13. Schwangerschaftswoche: bis zu zwei Wochen Mutterschutz bei Fehlgeburt
  • Ab der 17. Schwangerschaftswoche: bis zu sechs Wochen Mutterschutz
  • Ab der 20. Schwangerschaftswoche: bis zu acht Wochen Mutterschutz

Diese neue Regelung zum Mutterschutz bei Fehlgeburten ist Teil einer Anpassung des Mutterschutzgesetzes 2025.

Beschäftigungsverbot während der Mutterschutzfrist

Während der jeweiligen Mutterschutzfrist nach einer Fehlgeburt gilt ein absolutes Beschäftigungsverbot. Arbeitgeber dürfen betroffene Mitarbeiterinnen in dieser Zeit grundsätzlich nicht beschäftigen. Eine frühere Rückkehr ist nur möglich, wenn die Frau dies ausdrücklich wünscht. Hier spielt das Prinzip der Selbstbestimmung im Mutterschutz eine zentrale Rolle.

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Mutterschaftsleistungen 2025 und U2-Umlageverfahren

Betroffene Frauen haben während der Schutzzeit Anspruch auf Mutterschaftsgeld und ggf. auf einen Arbeitgeberzuschuss zu Mutterschaftsleistungen. Die Höhe richtet sich nach dem Durchschnittsverdienst und der jeweiligen Schutzfrist.

Wichtig für Unternehmen: Die Aufwendungen können weiterhin über das U2-Umlageverfahren bei der Krankenkasse abgerechnet werden – wie bei anderen Mutterschutzfällen auch.

Ärztliche Bescheinigung für Mutterschutz nach Fehlgeburt

Ein Anspruch auf die neue Mutterschutzregelung bei Fehlgeburt ab der 13. Schwangerschaftswoche besteht nur mit einer ärztlichen Bescheinigung. Bis Ende 2025 muss dafür das spezielle Formular „Bescheinigung einer Fehlgeburt“ verwendet werden, ab 2026 gilt das bundesweit einheitliche Muster 9.

Kündigungsschutz nach Fehlgeburt ab der 12. Woche

Nach einer Fehlgeburt ab der 12. Schwangerschaftswoche gilt ein besonderer Kündigungsschutz: Der Arbeitgeber darf der betroffenen Mitarbeiterin für vier Monate grundsätzlich nicht kündigen. Diese Regelung stärkt den rechtlichen Schutz bei einem Schwangerschaftsverlust und sollte in den internen HR-Prozessen berücksichtigt werden.

Handlungsempfehlungen für Arbeitgeber

  • Informieren Sie sich über die neuen Mutterschutzregelungen nach einer Fehlgeburt.
  • Passen Sie Ihre internen Prozesse und Richtlinien an.
  • Schulen Sie Ihre Personalabteilung zum gestaffelten Mutterschutz und den notwendigen Nachweisen.
  • Nutzen Sie das U2-Umlageverfahren, um finanzielle Aufwendungen zu reduzieren.
  • Kommunizieren Sie mit betroffenen Mitarbeiterinnen empathisch, wertschätzend und gesetzeskonform.

Fazit: Arbeitgeber in der Verantwortung

Mit der Neuregelung zum gestaffelten Mutterschutz bei Fehlgeburten ab Juni 2025 setzt der Gesetzgeber ein klares Signal für mehr Sensibilität und Schutz. Arbeitgeber sind nun in der Pflicht, die rechtlichen Vorgaben zum Mutterschutz nach einer Fehlgeburt umzusetzen und gleichzeitig eine vertrauensvolle Gesprächskultur zu fördern. Wer Prozesse vorausschauend anpasst, schützt nicht nur sich selbst vor Rechtsrisiken, sondern unterstützt seine Mitarbeiterinnen in einer besonders schwierigen Lebenssituation.

Direktauszahlungsmechanismus: Staatliche Hilfen direkt aufs Konto
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Direktauszahlungsmechanismus: Staatliche Hilfen direkt aufs Konto

Im Dezember 2024 hat die Bundesregierung die Eckpunkte für einen neuen Direktauszahlungsmechanismus verabschiedet. Mit dieser digitalen Infrastruktur sollen staatliche Hilfszahlungen in Krisensituationen künftig schnell und direkt an betroffene Bürgerinnen und Bürger ausgezahlt werden – ohne den Umweg über Arbeitgeber oder andere Behörden.

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Was ist der Direktauszahlungsmechanismus?

Der Direktauszahlungsmechanismus ist eine staatliche Infrastruktur, die es ermöglicht, finanzielle Hilfen bei Naturkatastrophen, Pandemien oder Energiekrisen direkt auf die Bankkonten der Bürgerinnen und Bürger zu überweisen. Damit reagiert der Bund auf die Kritik an bisherigen Verfahren, bei denen Hilfszahlungen oft über komplexe Kanäle wie Arbeitgeber oder Sozialbehörden abgewickelt wurden.

Ziel ist der Aufbau einer modernen, digitalen Auszahlungsinfrastruktur, die auf der steuerlichen Identifikationsnummer (Steuer-ID) und der dazugehörigen IBAN basiert.

Vorteile direkter staatlicher Hilfen auf einen Blick

  • Schnelle und zielgerichtete Auszahlung staatlicher Hilfen in Krisenzeiten
  • Entlastung von Arbeitgebern und Behörden durch Wegfall administrativer Zwischenschritte
  • Datensicherheit durch einen Steuer-ID-basierten Datenabgleich
  • Möglichkeit zur automatisierten Auszahlung staatlicher Leistungen
  • Flexible Einsetzbarkeit für verschiedenste Förderarten und Zielgruppen

Wie funktioniert die direkte staatliche Auszahlung?

Um staatliche Auszahlungen direkt auf die Konten der Bürgerinnen und Bürger zu ermöglichen, müssen diese ihre Kontodaten hinterlegen. Voraussetzung ist die Verknüpfung der IBAN mit der Steuer-ID. Dies kann auf folgenden Wegen geschehen:

  • Online über ELSTER (unter „Meine Daten“)
  • Im BZSt-Online-Portal (BOP)
  • Über die Bank, sofern diese nach Einwilligung die IBAN an das Bundeszentralamt für Steuern (BZSt) übermittelt

Die rechtlichen Rahmenbedingungen für die Speicherung der IBAN in der Steuer-ID-Datenbank sind bereits geschaffen (vgl. BMF-Pressemitteilung vom 18.12.2024). Durch diese Verknüpfung ist eine sichere und eindeutige Auszahlung staatlicher Leistungen gewährleistet – unabhängig von Beschäftigungssituation oder Sozialstatus.

Was ändert sich durch den Direktauszahlungsmechanismus in Deutschland?

Durch diesen Mechanismus erhält das Konzept unbürokratischer staatlicher Hilfen eine neue Qualität. Arbeitgeber oder Kommunen müssen künftig nicht mehr als Zwischenstelle fungieren. Die neue Infrastruktur ist so konzipiert, dass sie an gesetzliche Leistungssysteme angebunden werden kann. Für jede Auszahlung ist jedoch weiterhin ein eigenes Leistungsgesetz erforderlich, das die Anspruchsvoraussetzungen und den Ablauf regelt.

Ob für eine Auszahlung ein Antrag erforderlich ist, hängt vom jeweiligen Leistungsgesetz ab. Ziel ist es, möglichst viele Auszahlungen automatisiert und ohne zusätzlichen Antrag zu ermöglichen.

Ausblick: Digitale staatliche Hilfen mit Zukunft

Langfristig könnte der Direktauszahlungsmechanismus auch für weitere Unterstützungsleistungen wie automatisierte Einmalzahlungen, familienbezogene Hilfen oder regionale Soforthilfen genutzt werden, sofern die gesetzlichen und technischen Grundlagen entsprechend weiterentwickelt werden. Der Aufbau dieser digitalen Auszahlungsinfrastruktur ist ein bedeutender Schritt hin zu einem modernen, leistungsfähigen Sozialstaat.

Fazit: Mehr Tempo, weniger Bürokratie – echte Hilfe im Krisenfall

Mit dem Direktauszahlungsmechanismus geht die Verwaltung einen zukunftsweisenden Weg: Staatliche Hilfszahlungen werden schneller, einfacher und sicherer. Bürgerinnen und Bürger profitieren von einer direkten Abwicklung, während Unternehmen und Behörden entlastet werden. Die Digitalisierung der Verwaltung schafft so echte Vorteile – besonders dann, wenn sie pragmatisch und bürgernah umgesetzt wird.

Vaterschaftsurlaub: Zeit für Familie - Was Väter in der DACH-Region 2025 erwarten können
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Vaterschaftsurlaub: Zeit für Familie - Was Väter in der DACH-Region 2025 erwarten können

Immer mehr Väter möchten in den ersten Wochen nach der Geburt aktiv am Familienleben teilhaben – nicht nur emotional, sondern auch organisatorisch. Der Vaterschaftsurlaub ist daher nicht nur ein gesetzlicher Anspruch, sondern auch ein wichtiges Signal für Gleichstellung und Familienfreundlichkeit. Aber was gilt aktuell? Und wie können Unternehmen und Arbeitnehmende den Anspruch sinnvoll nutzen?

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1. Einleitung: Vaterschaft ist mehr als ein „Zwei-Wochen-Projekt“

Immer mehr Väter möchten in den ersten Wochen nach der Geburt aktiv am Familienleben teilhaben – nicht nur emotional, sondern auch organisatorisch. Der Vaterschaftsurlaub ist daher nicht nur ein gesetzlicher Anspruch, sondern auch ein wichtiges Signal für Gleichstellung und Familienfreundlichkeit. Aber was gilt aktuell? Und wie können Unternehmen und Arbeitnehmende den Anspruch sinnvoll nutzen?

In der heutigen Arbeitswelt wird die Rolle der Väter zunehmend anerkannt und geschätzt. Die Möglichkeit, nach der Geburt ihres Kindes eine Auszeit zu nehmen, ermöglicht es Vätern, eine stärkere Bindung zu ihrem Kind aufzubauen und die Partnerin bei der Betreuung zu unterstützen. Dies fördert nicht nur die Gleichstellung der Geschlechter, sondern trägt auch zu einer ausgewogenen Work-Life-Balance bei. Der Vaterschaftsurlaub kann das Berufsleben der Väter beeinflussen, indem er ihnen ermöglicht, sich vorübergehend von ihren beruflichen Verpflichtungen zurückzuziehen und sich voll und ganz auf die Familie zu konzentrieren. Unternehmen, die Vaterschaftsurlaub unterstützen, zeigen ein starkes Engagement für die Vereinbarkeit von Beruf und Familie, was sich positiv auf das Image und die Mitarbeiterzufriedenheit auswirkt. Die Einführung von flexiblen Regelungen und die Anpassung von Unternehmensrichtlinien können dabei helfen, den Vaterschaftsurlaub effektiver zu gestalten und den Bedürfnissen der Elternteile gerecht zu werden. Die Debatte über die Länge und Bezahlung des Vaterschaftsurlaubs bleibt ein wichtiges Thema, das sowohl auf politischer als auch auf gesellschaftlicher Ebene weiter diskutiert werden muss.

2. Einführung in den Vaterschaftsurlaub

Der Vaterschaftsurlaub ist eine wichtige Maßnahme zur Förderung der Vereinbarkeit von Familie und Beruf. In Deutschland gibt es derzeit noch keinen gesetzlichen Anspruch auf einen bezahlten Vaterschaftsurlaub. Allerdings hat die Bundesregierung angekündigt, dass ein entsprechendes Gesetz bis 2025 umgesetzt werden soll. Dieser Vaterschaftsurlaub soll Vätern ermöglichen, zwei Wochen nach der Geburt des Kindes bezahlten Sonderurlaub zu nehmen. Dieser Urlaub wird als zusätzlicher Anspruch gewertet und hat keinen Einfluss auf den gesetzlich festgelegten Urlaubsanspruch. Die Einführung dieses Gesetzes ist ein bedeutender Schritt, um Vätern die Möglichkeit zu geben, sich aktiv in die frühe Phase der Familiengründung einzubringen und eine stärkere Bindung zu ihrem Kind aufzubauen. Dies fördert nicht nur die Gleichstellung, sondern auch die Vereinbarkeit von Beruf und Familie.

3. Vaterschaftsurlaub und Elternzeit

Der Vaterschaftsurlaub ist ein integraler Bestandteil der Elternzeit, die beiden Elternteilen – Mutter und Vater – sowie Adoptiveltern und Lebenspartner*innen zusteht. Während die Elternzeit bis zu drei Jahre pro Elternteil dauern kann und grundsätzlich unbezahlt ist, soll der Vaterschaftsurlaub als bezahlter Urlaub gewährt werden. Dies gibt Vätern die Möglichkeit, sich unmittelbar nach der Geburt ihres Kindes intensiv um ihre Familie zu kümmern. Die Kombination aus Elternzeit und Vaterschaftsurlaub bietet Eltern die Flexibilität, ihre beruflichen und familiären Verpflichtungen besser zu vereinbaren. Durch diese Regelungen wird es Vätern erleichtert, eine aktive Rolle in der Kinderbetreuung zu übernehmen und somit die Gleichstellung im Familienleben zu fördern.

4. Was gilt aktuell im DACH-Raum (Stand 2025)?

🇨🇭 Schweiz

  • Seit dem 1. Januar 2021 haben erwerbstätige Väter Anspruch auf zwei Wochen bezahlten Vaterschaftsurlaub.
  • Der Urlaub muss innerhalb von sechs Monaten nach der Geburt bezogen werden – tageweise oder am Stück.
  • Während dieser Zeit zahlt die Erwerbsersatzordnung (EO) 80 % des durchschnittlichen Erwerbseinkommens (max. CHF 196 pro Tag).
  • Der Antrag wird in der Regel vom Arbeitgeber bei der zuständigen Ausgleichskasse gestellt.

💡 Gut zu wissen: Der gesetzliche Anspruch gilt unabhängig vom Beschäftigungsgrad oder der Anstellungsform – auch für Teilzeitkräfte oder Selbstständige unter bestimmten Voraussetzungen.

Die Einführung des Vaterschaftsurlaubs in der Schweiz ist ein bedeutender Schritt in Richtung Gleichstellung und Familienfreundlichkeit. Es ermöglicht Vätern nicht nur, eine engere Bindung zu ihrem Kind aufzubauen, sondern auch die Partnerin in den ersten Wochen nach der Geburt zu unterstützen. Unternehmen, die diesen Anspruch fördern, zeigen ein starkes Engagement für die Vereinbarkeit von Beruf und Familie, was sich positiv auf die Mitarbeiterzufriedenheit auswirkt. Die Diskussion über eine mögliche Erweiterung des Vaterschaftsurlaubs zu einem flexibleren Elternzeitmodell bleibt ein wichtiges Thema auf der politischen Agenda.

🇩🇪 Deutschland

  • Einen eigenständigen, gesetzlich geregelten Vaterschaftsurlaub gibt es in Deutschland nicht.
  • Stattdessen greift die Elternzeitregelung: Beide Elternteile können insgesamt bis zu 36 Monate Elternzeit nehmen, davon 14 Monate mit Elterngeld (wenn beide Eltern mindestens zwei Monate Elternzeit nehmen).
  • Die Höhe des Elterngeldes liegt in der Regel bei 65–67 % des Netto-Gehalts (mindestens 300 €, maximal 1.800 € pro Monat).
  • Zusätzlich haben Väter das Recht, direkt nach der Geburt zwei Tage Sonderurlaub (freiwillige Leistung nach Tarifvertrag oder Kulanz) zu nehmen – gesetzlich ist das aber nicht vorgeschrieben.

💡 Praxistipp für Arbeitgebende: Unternehmen, die freiwillige Leistungen rund um den Geburtstermin ermöglichen (z. B. 5 Tage bezahlter Sonderurlaub), positionieren sich im Employer Branding deutlich attraktiver.

In Deutschland ist die Elternzeitregelung eine flexible Möglichkeit für Eltern, sich um ihr neugeborenes Kind zu kümmern. Trotz des Fehlens eines speziellen Vaterschaftsurlaubs bietet die Elternzeit Vätern die Chance, aktiv am Familienleben teilzunehmen. Die freiwilligen Sonderurlaubsregelungen, die einige Unternehmen anbieten, können einen erheblichen Unterschied in der Mitarbeiterzufriedenheit machen und sind ein wesentlicher Faktor im Wettbewerb um Talente. Die politische Diskussion über die Einführung eines eigenständigen Vaterschaftsurlaubs bleibt jedoch ein aktuelles Thema.

🇦🇹 Österreich

  • Auch in Österreich gibt es keinen gesetzlichen Vaterschaftsurlaub, aber seit 2019 besteht der sogenannte Papamonat.
  • Der Papamonat ermöglicht es Vätern, direkt nach der Geburt einen Monat Freistellung zu nehmen – unbezahlt, aber mit Kündigungsschutz.
  • Optional kann für diese Zeit der sogenannte "Familienzeitbonus" beantragt werden: einmalig € 700, wenn bestimmte Voraussetzungen erfüllt sind.
  • Danach besteht die Möglichkeit, Karenz (Elternzeit) zu nehmen – entweder für Mutter oder Vater (oder beide nacheinander/abwechselnd).

💡 Für Arbeitgeber: Auch wenn der Papamonat unbezahlt ist, kann ein freiwilliger Lohnausgleich oder ein firmeneigener Vaterschaftsurlaub einen großen Unterschied in der Mitarbeiterbindung machen.

Der Papamonat in Österreich ist ein wichtiger Schritt, um Vätern die Möglichkeit zu geben, sich in den ersten Wochen nach der Geburt ihres Kindes aktiv einzubringen. Obwohl unbezahlt, bietet der Kündigungsschutz während dieser Zeit eine gewisse Sicherheit für die Väter. Arbeitgeber, die zusätzliche finanzielle Anreize oder firmeneigene Vaterschaftsurlaubsregelungen anbieten, können sich als familienfreundliche Arbeitgeber positionieren und so die Mitarbeiterbindung stärken. Die Diskussion über eine mögliche gesetzliche Regelung für einen bezahlten Vaterschaftsurlaub bleibt ein relevantes Thema in der österreichischen Politik.

5. Anspruch auf Vaterschaftsurlaub

Der Anspruch auf Vaterschaftsurlaub besteht für Väter oder gleichgestellte Elternteile, die nach der Geburt ihres Kindes bezahlten Urlaub nehmen möchten. Dieser Anspruch soll unabhängig vom Ehe- oder Familienstand des Arbeitnehmenden gewährt werden. Obwohl die konkrete Umsetzung in Deutschland bisher nur im Koalitionsvertrag festgehalten ist und noch nicht in die Tat umgesetzt wurde, zeigt das Landgericht Berlin II, dass die bestehenden Regelungen zur Elternzeit und zum Elterngeld bereits eine solide Grundlage bieten. Diese Regelungen sollen sicherstellen, dass Eltern die notwendige Unterstützung erhalten, um die ersten Wochen nach der Geburt ihres Kindes gemeinsam zu verbringen und sich auf die neue Familiensituation einzustellen.

6. Bezahlter Vaterschaftsurlaub

Der bezahlte Vaterschaftsurlaub soll Vätern die Möglichkeit geben, sich nach der Geburt ihres Kindes um ihre Familie zu kümmern, ohne dabei ihr gesamtes Gehalt zu verlieren. Während des Vaterschaftsurlaubs soll eine Bezahlung in Höhe von 65 Prozent des Nettoeinkommens des Arbeitnehmenden gewährt werden. Dieser Urlaub wird als Sonderurlaub gewertet und hat keinen Einfluss auf den gesetzlich festgelegten Urlaubsanspruch. Diese finanzielle Unterstützung ist entscheidend, um Vätern die notwendige Sicherheit zu bieten, damit sie sich voll und ganz auf ihre neue Rolle als Elternteil konzentrieren können. Der bezahlte Vaterschaftsurlaub trägt somit wesentlich zur Förderung der Vater-Kind-Bindung und zur Entlastung der Partnerin bei.

7. Rechtlicher Schutz

Der Vaterschaftsurlaub soll durch einen rechtlichen Schutz für Väter und Elternteile gewährleistet werden. Während des Vaterschaftsurlaubs gilt ein Kündigungsschutz, der es Arbeitgebern verbietet, Väter oder Elternteile zu kündigen. Dieser Kündigungsschutz tritt acht Wochen vor dem geplanten Elternzeitbeginn in Kraft und gilt während der gesamten Elternzeit. Darüber hinaus wird der Vaterschaftsurlaub durch die EU-Richtlinie geschützt, die einen bezahlten Vaterschaftsurlaub von mindestens zehn Tagen vorsieht. Diese rechtlichen Rahmenbedingungen sind entscheidend, um Vätern die notwendige Sicherheit zu bieten und die Vereinbarkeit von Beruf und Familie zu fördern.

🔎 Vergleich DACH-Raum – Kurzüberblick

Land Anspruch (gesetzlich) Bezahlt? Besonderheit
Schweiz zweiwöchige 2 Wochen Vaterschaftsurlaub Ja, 80 % über EO Muss innerhalb von 6 Monaten nach Geburt bezogen werden
Deutschland Elternzeit bis 36 Monate (gemeinsam) Ja, 14 Monate Elterngeld Kein spezifischer Vaterschaftsurlaub, oft 2 Tage Sonderurlaub möglich
Österreich 1 Monat Papamonat Nein (Bonus von €700) Kündigungsschutz während Papamonat, optionale Karenz im Anschluss

8. Geplante Entwicklungen & politische Diskussionen im DACH-Raum

Im gesamten DACH-Raum rückt das Thema Vaterschaftsurlaub zunehmend in den Fokus gesellschaftlicher und politischer Diskussionen. Dabei zeigen sich länderspezifische Unterschiede in der Ausgestaltung – jedoch mit einer gemeinsamen Tendenz zu mehr Gleichberechtigung und Flexibilität.

Schweiz:

Aktuell sind keine konkreten gesetzlichen Änderungen für 2025 beschlossen. Dennoch wird weiterhin über eine Ausweitung des Vaterschaftsurlaubs und über flexible Elternzeitmodelle diskutiert. Eine mögliche Variante ist die Einführung eines Elternzeitmodells, bei dem insgesamt 14 Wochen zwischen Mutter und Vater aufgeteilt werden können. Ziel ist es, die Gleichstellung in der Kinderbetreuung zu stärken und Vätern eine aktivere Rolle in der frühen Familienphase zu ermöglichen. Die Gleichstellungsdebatte verleiht dem Thema zusätzlich Dynamik – insbesondere im Hinblick auf die Vereinbarkeit von Familie und Beruf.

Deutschland:

Deutschland bietet seit 2007 eine umfassende Elternzeitregelung, bei der bis zu 14 Monate Elterngeld bezogen werden können – vorausgesetzt, beide Elternteile nehmen mindestens zwei Monate in Anspruch. Diese Regelung hat sich etabliert, doch Diskussionen über eine bessere finanzielle Ausstattung und einen höheren Anteil männlicher Elternzeitnehmer laufen weiter. Der sogenannte „Partnerschaftsbonus“ sowie das ElterngeldPlus sollen zusätzliche Anreize schaffen. Für 2025 sind derzeit keine tiefgreifenden gesetzlichen Neuerungen geplant, doch das Thema bleibt politisch relevant – auch mit Blick auf die Umsetzung europäischer Gleichstellungsrichtlinien. Ein Vater hat die Bundesrepublik Deutschland wegen des fehlenden Anspruchs auf bezahlten Vaterschaftsurlaub verklagt. Das Landgericht Berlin II hat die Klage abgewiesen, da es die bestehenden Regelungen für ausreichend hält, um den rechtlichen Anforderungen gemäß der EU-Richtlinie zu genügen.

Österreich:

In Österreich existiert bereits ein einkommensabhängiges Kinderbetreuungsgeld sowie ein sogenannter „Papamonat“ – ein freiwilliger, einmonatiger unbezahlter Urlaub unmittelbar nach der Geburt. Dieser wurde 2019 gesetzlich verankert, ist jedoch weiterhin unbezahlt, was die tatsächliche Inanspruchnahme limitiert. Auch hier gibt es Überlegungen, das Modell zu verbessern – insbesondere durch finanzielle Anreize oder eine Umwandlung in eine bezahlte Kurzzeit-Elternzeit.

Europäischer Kontext:

Die EU-Richtlinie zur Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben fordert mindestens zehn Tage bezahlten Vaterschaftsurlaub sowie bessere Rahmenbedingungen für Elternzeit. Deutschland und Österreich erfüllen viele dieser Anforderungen bereits – die Schweiz als Nicht-EU-Mitglied orientiert sich freiwillig an europäischen Standards, insbesondere mit Blick auf internationale Wettbewerbsfähigkeit und Attraktivität für Fachkräfte.

Wirtschaftlicher Blickwinkel:

Unabhängig vom Land zeigen Studien: Unternehmen, die Vaterschaftsurlaub ermöglichen und fördern, profitieren von höherer Zufriedenheit, gesteigerter Mitarbeiterbindung und einem modernen Arbeitgeberimage. Die Einbindung von Vätern in die frühe Kinderbetreuung hat nicht nur gesellschaftliche, sondern auch wirtschaftliche Vorteile – und wird zunehmend als strategisches HR-Thema betrachtet.

9. Was bedeutet das für Unternehmen?

✅ Rechtliche Sicherheit

Klare Prozesse für die Anmeldung, Abwicklung und Kommunikation rund um den Vaterschaftsurlaub sind Pflicht. Unternehmen sollten sicherstellen, dass alle rechtlichen Vorgaben eingehalten werden, um möglichen rechtlichen Konsequenzen vorzubeugen. Dazu gehört auch, dass alle Mitarbeitenden über ihre Rechte und Pflichten im Zusammenhang mit dem Vaterschaftsurlaub informiert werden. Eine transparente Kommunikation und gut dokumentierte Abläufe tragen dazu bei, Missverständnisse zu vermeiden und das Vertrauen der Mitarbeitenden zu stärken.

✅ Employer Branding & Gleichstellung

Wer jungen Vätern aktiv Zeit für die Familie gibt, positioniert sich als moderner und familienfreundlicher Arbeitgeber. Dies kann ein entscheidender Vorteil im Wettbewerb um Talente sein, da viele Arbeitnehmende zunehmend Wert auf eine gute Work-Life-Balance legen. Ein familienfreundliches Image kann nicht nur die Mitarbeiterzufriedenheit steigern, sondern auch die Attraktivität des Unternehmens für potenzielle Bewerber erhöhen. Unternehmen, die Gleichstellung fördern, senden ein starkes Signal für Diversität und Inklusion.

✅ Betriebliche Ergänzungen möglich

Viele Unternehmen bieten zusätzliche, freiwillige Leistungen (z. B. verlängerten Urlaub, 100 % Lohnersatz etc.). Solche Angebote können die finanzielle Belastung für junge Familien verringern und die Motivation der Mitarbeitenden steigern. Darüber hinaus können flexible Arbeitszeitmodelle oder Homeoffice-Optionen Vätern helfen, Beruf und Familie besser zu vereinbaren. Diese betrieblichen Ergänzungen zeigen, dass das Unternehmen die Bedürfnisse seiner Mitarbeitenden ernst nimmt und bereit ist, in deren Wohlbefinden zu investieren. Solche Maßnahmen können die Mitarbeiterbindung stärken und die Unternehmenskultur positiv beeinflussen.

Fazit: Kleiner Urlaub, große Wirkung

Auch wenn der gesetzliche Anspruch auf Vaterschaftsurlaub noch überschaubar ist, hat er eine große symbolische und praktische Bedeutung. Die neuen Regelungen bringen grundlegende Veränderungen mit sich, die darauf abzielen, die Gleichstellung der Geschlechter zu fördern und Vätern mehr Zeit mit ihren neugeborenen Kindern zu ermöglichen. Wer Väter in ihrer neuen Rolle unterstützt, sorgt für mehr Gleichstellung, Zufriedenheit – und langfristige Bindung ans Unternehmen. Es lohnt sich also doppelt: menschlich und wirtschaftlich.

Die Einführung von Vaterschaftsurlaub ist ein bedeutender Schritt in Richtung einer modernen Arbeitswelt, die die Vereinbarkeit von Beruf und Familie ernst nimmt. In einer Gesellschaft, die immer mehr Wert auf Gleichstellung legt, ist es wichtig, Vätern die Möglichkeit zu geben, aktiv an der frühen Entwicklungsphase ihrer Kinder teilzunehmen. Dies fördert nicht nur die Vater-Kind-Bindung, sondern entlastet auch die Partnerin und schafft eine gerechtere Verteilung der familiären Aufgaben. Unternehmen, die diesen Wandel unterstützen, profitieren von einer höheren Mitarbeiterzufriedenheit und einer stärkeren Mitarbeiterbindung. Zudem verbessern sie ihr Image als fortschrittliche und familienfreundliche Arbeitgeber, was im Wettbewerb um qualifizierte Fachkräfte von Vorteil ist.

Langfristig gesehen könnte die Unterstützung von Vätern durch Vaterschaftsurlaub auch zu einer Veränderung der gesellschaftlichen Normen führen, indem sie traditionelle Geschlechterrollen hinterfragt und aufbricht. Diese Entwicklung trägt zur Förderung von Diversität und Inklusion am Arbeitsplatz bei und schafft eine Arbeitskultur, die sich den individuellen Bedürfnissen der Mitarbeitenden anpasst. Ein gut umgesetzter Vaterschaftsurlaub kann somit nicht nur die Lebensqualität der Mitarbeitenden verbessern, sondern auch einen positiven Einfluss auf das Arbeitsumfeld und die Unternehmensleistung insgesamt haben.